Haruki Murakami – Naokos Lächeln

Naokos Lächeln
eng.: Norwegian Wood
Erschienen: dt. 2001/ jap. 1987
Übersetzung: Ursula Gräfe
Verlag: Btb
ISBN: 978-3442730506

Dieses Buch von Haruki Murakami ist nicht nur traurig, es ist über weite Strecken sogar erdrückend dunkel, wenn auch die Schwere, die über den Protagonisten liegt, nie erdrückend auf den Leser wirkt. Ein melancholischer Schleier behaftet alle Menschen in diesem Buch, den sie nie abzulegen in der Lage sind, dies auf ihre jeweilige Art auch gar nicht wollen.

In Naokos Lächeln geht es um die Probleme des modernen Menschen, um die Liebe und die tiefgreifenden Verluste des Lebens, die nachhaltig verändern.

Die Geschichte wird in der Retrospektive von Toru Watanabe erzählt, der sich an die sechziger Jahre erinnert, als er jung war. Er denkt an Naoko und ihre gemeinsamen Spaziergänge. An ihr Gesicht kann er sich nicht erinnern, aber an ihr Lächeln, das so Geheimnisvolles beinhaltete.

Ich möchte, daß du mich nie vergißt. Versprich mir, daß du dich immer an mich erinnern wirst, daß es mich gab und daß ich hier neben dir gestanden habe? Bitte.

Dies sagt Naoko zu Turu auf ihrem gemeinsamen Spaziergang und hier kann schon das Ende der Geschichte verhergesehen werden, auch wenn es dennoch überraschen wird. Naoko war die Freundin von Torus besten und einzigen Freund Kizuki, als sie noch zum Gymnasium gingen. Die drei waren unzertrennlich, bis Kizuki sich entschloss ohne ein Wort ohne jede Andeutung nach einer abendlichen Partie Billard mit Toru sich das Leben zu nehmen. Der Tod Kizuki war fortan immer präsent im leben Torus und Naokos.

Jahre später treffen sich die beiden in Tokyo wieder und es entwickelt sich eine Freundschaft, die enger ist als Freunde sich stehen, aber auch weiter eine Distanz von Anfang an hat, die beide nicht überwinden können,w eil sie sich selbst nicht überwinden können.

Toru lernt zeitgleich Midori Kobayashi kennen, die mit ihm zusammen Seminare an der Uni besucht. Sie ist das scheinbare Gegenteil von Naoko: lebenslustig, aufgeweckt und extrovertiert versucht sie Toru von seiner vergangenheit zu befreien und mit ihm das Leben kennenlernen zu können. Midori lässt sich mit folgenden Zitat gut charakterisieren, es drückt vieles aus, was Midori ist. Toru fragt sie, ob sie nach der vollkommenen Liebe sucht und Midori antwortet darauf:

Nein, das weiß sogar ich, daß sie nicht existiert. ich bin auf der Suche nach jemanden, der alles für mich tut. Ich will vollkommen egoistisch sein können. Zum Beispiel: ich sage, ich will Erdbeertorte essen, und du rennst sofort los, um welche zu besorgen. Dann kommst du ganz außer Atem mit der Torte angehetzt, aber jetzt will ich sie nicht mehr und schmeiße sie aus dem Fenster. So in etwa.

Doch Toru steht hin und hergerissen zwischen zwei Leben, die durch die beiden Frauen Naoko und Midori repräsentiert werden. Doch das Stehen zwischen den beiden Leben ist kein Zwiespalt für Toru, es ist Ausdruck genau der Gedanken, die sein mittelmäßiges Leben seit jeher bestimmt haben und das er drauf ankommen lässt, wie es nur jemand tun kann, der nicht mehr viel erwartet.

Er hält einerseits Naoko die Treue, die mittlerweile in einer alternativen Heilanstalt in den Bergen bei Kyoto lebt, besucht sie und versucht die alten zeiten mit ihr aufzuarbeiten. Unterstützt werden sie dabei von Reiko, einer gescheiterten Frau, die bereits viele Jahre abseits der Zivilisation in dieser Heilanstalt lebt und sich gar nicht mehr vorstellen kann unter “normalen” Menschen zu leben. Andererseits lebt Toru aber auch. Er begleitet Midori durch das gleißend helle Tokio, besucht ihren kranken Vater und stellt so allerlei mit ihr an.

Dass dieser Widerspruch, der oft in der Literatur für Tragödien innerhalb der Protagonisten gesort hat, von Toru durch ehrliche Hingabe zwar nicht gelöst wird, aber dennoch gemeistert ist die implizite Geschichte, die in Naokos lächeln erzählt wird., Die Geschichte der Mittelmäßigkeit, die daztu führt, dass sich Toru nicht ständig selbst im Weg steht, weil er den Schlaglöchern des Lebens mal ausweicht, mal tief in sie einbricht, aber nie mit dem Pathos des Verderbens, den wohl jeder an seiner Stelle erhoben hätte. Toru hält sich für mittelmäßig und lebt mittelmäßig, doch es stört ihn nicht.

Naokos Lächeln ist ein Plädoyer für das Leben, auch wenn es von Murakami in all seinen hinterhältigen, paradoxen und traurigen Facetten gezeigt wird. Der Schleier wird nicht gelüftet, es liegt am Leser selbst ihn anzunehmen, abzulegen oder mit Wucht vom Kopfe zu reißen.

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eng.: Norwegian Wood
Erschienen: dt. 2001/ jap. 1987
Übersetzung: Ursula Gräfe
Verlag: Btb
ISBN: 978-3442730506

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